Scham

Lesezeit 3min 57sec

Zu sagen, dass man sich schämt, ist selbst mit Scham belegt. Darüber zu schreiben ist beinahe genauso schlimm. Heute möchte ich dir über einen Moment berichten, der bei mir bis heute noch sehr viel Scham auslöst. Zudem möchte ich dir Tipps an die Hand geben wie du besser mit Scham(gefühlen) klar kommen kannst.

Fürs schneller überspringen direkt zu den Tipps hier lang.

Meine kleine Geschichte über Scham

Vor einigen Monaten begleitete ich meinen Freund auf eine Beerdigung. Es war die Beerdigung eines eher flüchtig Verwandten von ihm. Kurz gesagt wie gingen eher aus Höflichkeit und Anstand dort hin.

Nun zu meinem größten Schammoment. Ich habe mich wirklich noch nie mehr geschämt als nach diesem Vorfall. Und zwar habe ich während der Trauerfreier geweint wie ein Schlosshund.

Aber Tränen bei einer Beerdigung sind doch nichts schlimmes, oder? Würde die Geschichte mir ein Freund erzählen wäre ich da auch ganz der Meinung. Aber nun ja, meine Realität sah eher anders aus.

Orgelmusik, Taschentücher, Gebete und eine Trauerrede waren überwunden, mir steckte ein Kloß im Hals, bis dato alles normal. Lächelnd dort zu sitzen, wäre auch irgendwie seltsam. Aber dann wurde auf einmal dasselbe Lied angespielt wie bei der Trauerfeier meines Vaters. Es war das Lied „You ´ll Never Walk alone“.

Und dann konnte ich nichts anderes mehr außer zu weinen. Ich schluchzte. Fühlte mich wie vor drei Jahren als ich bei der Beerdigung meines Vaters in der ersten Reihe saß und anfing zu weinen. Denn das war das Lied, was wir uns jeden Samstag anhörten bevor wir Fußball sahen.Das war das Lied was immer im Stadion gespielt wurde als ich mit meinem Vater dort war und er Gänsehaut bekam, weil es für ihn immer was ganz besonderes war.

Ich dachte, dass ich nie wieder aufhören werde zu weinen, weil mich dieses Lied so berührt. Doch dann wurde mir bewusst wo ich mich befand und was geschehen war. Ich heulte, schluchzte und hielt mich an meinem Freund fest. Ich versuchte aufzuhören , aber es funktionierte nicht. Gefühlt sahen mich alle Menschen an. Die meisten dort kannte ich gar nicht und noch weniger kannten sie mich.

Irgendwann war das Lied dann auch vorbei und ich konnte mich endlich zusammenreißen. Doch da war dann anstatt den Erinnerungen die Scham.

Ich schämte mich so sehr. Ich wollte am liebsten sofort die Trauerhalle verlassen. Wäre am liebsten rausgerannt vor lauter Scham. Aber das wäre noch seltsamer gewesen und hätte wohl noch mehr Aufsehen erregt und das wollte ich nicht. Der Weg zum Grab war noch soweit ok, aber als es dann zum Leichenschmaus ging,waren meine Wangen sicherlich wieder purpurrot. Aber ich versuchte es zu überspielen, machte Witze darüber, dass ich ja wenigstens an wasserfeste Wimperntusche gedacht habe und wollte doch nur nichts sehnlichster als ein Loch im Boden, in das ich reinspringen wollte.

„Was ist das denn für eine Verrückte? Weint um einen alten Mann, den sie nicht wirklich kennt.“ „Heulsuse, die will doch nur Aufmerksamkeit!“ So oder so ähnlich waren die Sätze, die mich in meinem Kopf begleiteten als ich versuchte mich nicht weiter zu rechtfertigen.

Irgendwann war das Ganze auch vorbei und wir gingen. Die Erinnerung bleibt bis heute. Was mir geholfen hat ist mal wieder die Recherche darüber was Scham überhaupt ist. Und darüber habe ich folgendes rausgefunden.

Was ist Scham überhaupt?

Scham ist ein Gefühl der Verlegenheit. Wer sich schämt ist tief im Inneren betroffen. Er möchte sich am liebsten auflösen, im Boden versinken. Doch der Körper macht genau das Gegenteil. Im Gesicht werden Wangen rot.Wir fangen vielleicht sogar an zu zittern, räuspern uns oft und versuchen uns zu entschuldigen. Durch diese erkennbaren Zeichen kehrt sich unser Innerstes nach außen.

Welchen Zweck dient Scham?

Menschen sind die einzigen Lebewesen, die sich überhaupt schämen können. Scham ist ein zutiefst soziales Gefühl, weil sie sich an den Maßständen der Gesellschaft orientiert. Daher ist Scham auch häufig mit dem Erleben verbunden „anders“ zu sein ( von der Norm abzuweichen).

Forschungen zeigen, dass wir unsere Handlungen an dem ausrichten , was wir in unserem Umfeld als normal wahrnehmen.Menschen, die sich schämen haben Angst ausgestoßen und sozial isoliert zu werden aufgrund ihres Fehlers.

Dabei ist Scham auch ein Zeichen dafür, dass wir ganz genau wissen, dass wir uns nicht „normal“ / wie alle anderen verhandeln haben. Manche Menschen haben gefühlt kein Schamgefühl mehr (z.B. Reality Stars, die peinliche Sachen im TV machen um bekannter zu werden).

Aber was tun, wenn der Moment der größten Scham da ist? Folgende Tipps können Linderung verschaffen

1. Mach dir bewusst, dass du dich schämst.
Du hast etwas getan, dass dich in deinen Augen bloßstellt, was nicht „normal“ ist.

2. Akzeptiere, dass du ein Mensch bist
Menschen machen Fehler. Sag dir: „ Ich bin mir bewusst,dass mir ein Missgeschick passiert ist. Das ist aber menschlich.“

3. Mache einen Unterschied zwischen dir und deinem Verhalten
Ein Fehler/ Missgeschick macht dich nicht zu einem anderen Menschen.

4. Wie würdest du mit Freunden umgehen, denen das Gleiche passiert ist?
Wahrscheinlich würdest du ihn trösten und sagen, dass es nur halb so schlimm wäre oder dass es normal wäre oder das es doch jedem mal passieren könnte.

5. Visualisiere
Stell dir vor, der Tag wäre vorbei, ein paar Jahre wären ins Land gestrichen. Wie würdest du deine jetzige Situation wohl in Erinnerung haben?

6. Versuche nicht zu grübeln
Je mehr du dich reinsteigerst in dein Schamgefühl umso größer wird es. Mach dir keine Vorwürfe. Versuch dich abzulenken.

Weitere Tipps gegen das Grübeln danach findest du hier

So das waren nun alle Tipps. Ich hoffe, dass sie dir helfen konnten oder du dich einem Moment der größten Scham daran erinnern kannst.

Fällt dir sonst noch ein Tipp ein? Dann schreib ihn in die Kommentare 🙂

Lebe bewusst. Liebe bewusst. Lache bewusst.

Deine Fride

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