Radikale Akzeptanz

Lesezeit 3:25min

“ Du kannst deine Vergangenheit nicht ändern.“; “ Deine Vergangenheit gehört zu dir und hat dich zu dem Menschen gemacht, der du heute bist.“ So oder so ähnlich klingende Sätze habe ich vor allem zu Beginn meiner Leidensgeschichte vermehrt von meinem Umfeld hören müssen.

Aber was ist, wenn ich nicht dieser Mensch sein möchte mit dieser Vergangenheit. Meine Vergangenheit ist meine Gegenwart, weil sie mich täglich einholt. Hätte ich nicht diese Vergangenheit wäre ich ein anderer Mensch. Und das wünschte ich mir so sehr. Denn ich wollte nicht mehr erinnert an diese schreckliche Kindheit, wollte keine daraus resultierenden Schmerzen mehr erleiden. 

Ich wollte eine Veränderung. 

Aber wo fang ich damit an? Am besten verdrängen, war mein erster Gedanke, ich mag meine Vergangenheit nicht, also möchte ich mich auch nicht weiter damit beschäftigen. 

Meine Krankheit Ptbs lässt das nur leider nicht so leicht zu.Eine vermeintliche Kleinigkeit kann mir die Tränen in die Augen schießen lassen und mich körperlichen Schmerz spüren lassen. 

Verdrängen geht also nicht, was bleibt ist Therapie. 

In meiner Therapie kam ich häufiger mit fernöstlichen Meditationstechniken in Kontakt. Bei der Meditation versucht man im Hier und jetzt zu sein, aufkommende Gedanken loszulassen und Dinge nicht zu bewerten. 

Erst später kam ich dadurch mit dem Thema Radikale Akzeptanz in Kontakt. 

Heute möchte ich euch die radikale Akzeptanz näher bringen anhand der auf dem Zen-Buddhismus inspirierten therapeutischen Ansatz der dialektisch- behavioralen Therapie nach Marsha Linehan. 

Was ist radikale Akzeptanz ? 

Radikale Akzeptanz ist das Gegenteil von Wollen. 

Radikale Akzeptanz ist die Bereitschaft darauf zu verzichten sich gegen Schmerz und ungewollte Ereignisse real oder auch gedanklich aufzulehnen, sie zu bekämpfen oder verändern zu wollen. 

Marsha Linehan sagte einmal : “ Radikale Akzeptanz ist der einzige Weg, der aus der Hölle führt – sie bedeutet den Kampf gegen die Realität sein zu lassen. Akzeptanz ist der Weg, der unerträgliches Leiden in einen erträglichen Schmerz verwandelt.“ 

Aber was ist der Unterschied zwischen Schmerz und Leid?

> Schmerz ist ein Teil des Lebens wie Lachen und Weinen. Schmerz kann nicht immer vermieden werden. Im Gegenteil Schmerz muss manchmal durchlebt werden, da manche Dinge sich leider nicht verändern lassen ( weil die Ereignisse die zu dieser Situation führten z.B. in der Vergangenheit liegen).Versuchen wir Schmerz zu vermeiden führt das zum gegenteilig gewünschten Effekt -> wir erleiden oft noch mehr Schmerz oder er hält länger an. 

>Leid hingegen resultiert aus dem Vermeiden und dem Nicht- Akzeptieren von Schmerz. Leiden entsteht wenn man an etwas festhält, das man nicht verändern kann und wenn man sich weigert etwas was nicht verändert werden kann nicht annimmt.

 

Das Geheimnis des Akzeptierens ist Üben. 

Der erste Schritt zur radikalen Akzeptanz ist der sich dafür zu entscheiden. (Trotz der Schmerzen.)

Der zweite und sich immer wiederholende Schritt ist > sich immer wieder dafür zu entscheiden. 

 

Ein dafür nützlicher Skill ist das Wahrnehmen, das bewusste beobachten und beschreiben ohne Wertung.

 

 

Sätze zum radikalen Akzeptieren sind z.B. 

> Es ist wie es ist.

> Ich habe schon andere schwere Zeiten erlebt und durchgestanden.

> Das kann ich jetzt nicht mehr ändern. 

 

Vorteile der Radikalen Akzeptanz:

> Mehr Zeit und Energie,da wir uns weniger mit unserer Vergangenheit beschäftigen müssen und sie uns weniger belastet. 

> Führt zu einer anderen Haltung gegenüber dem Geschehen, wir bekommen einen anderen Einblick und können dementsprechend auch anders handeln. 

> Umwandlung von Leid in Schmerz

> Mehr Gelassenheit

> Führt zum Loslassen an Situationen, an die wir nicht mehr festhalten möchten 

> Führt zu mehr Reflexion der eigenen Umgangsweisen mit Belastung und Stress

 

 

Radikale Akzeptanz führt NICHT zu

> Verdrängung der Reaktionen auf Ereignisse

> Verdrängung von Schmerz und Angst

 

 

Radikale Akzeptanz bedeutet NICHT:

> sich passiv zu ergeben und duldsam abzuwarten 

> Alles gut zu finden und alles hinzunehmen 

 

 

Der Satz“ Du kannst deine Vergangenheit nicht ändern.“ ist zwar vollkommen richtig und vielleicht sogar ein Rat, aber wie sagte der Antike Philosoph Epiktet : „ Wir können die Dinge nicht immer ändern, aber wir können unsere Haltung gegenüber Dingen ändern.“, bringt mir persönlich viel mehr. 

 

Hast du dich schon mal mit dem radikalen Akzeptieren beschäftigt? 

 

Mir fällt es bis heute schwer,ein paar Ereignisse aus meiner Vergangenheit zu akzeptieren, aber ich versuche es und du hoffentlich auch. 

 

Lebe bewusst. Liebe bewusst. Lache bewusst.

Deine Fride

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