Probleme mit dem Jugendamt Teil 2 #mystory

Lesezeit 3min 54sec

Heute erzähl ich dir wieder von den Problemen, die ich mit dem Jugendamt hatte. Wenn du erst Teil 1 lesen möchtest, dann klicke hier.

Wie jeder weiß, wächst Geld nicht an Bäumen. Betreuer, Unterkünfte und Co kosten nun mal Geld. Keine Frage.

Bis zum 18. Lebensjahr ist das Jugendamt erstmal für einen zuständig, alles was danach kommt fällt ihrer Meinung nach nicht in ihren Aufgabenbereich. Man wird rausgeschmissen um es mal salopp zu sagen, wenn es keine Gründe gibt, die dagegen sprechen.

So ein Grund wäre zum Beispiel, wenn man die eigene Wohnung nicht sauber halten kann oder mit Geld nicht richtig umgehen kann. Man braucht noch Unterstützung, so heißt es dann.

Mit 18 beschloss ich mein Abitur über eine Fernschule zu machen, da es mir nicht mehr möglich war eine normale Schule zu besuchen. Das Jugendamt weigerte sich diese „Mehrkosten“ von etwa 140€ zu bezahlen.

Meine Lebensführung passte ihnen nicht, besonders der Frau vom Jugendamt. Ich habe nämlich dieses Fernabi einfach angefangen. Nachdem ich einen Antrag zur Kostenübernahme stellte und dieser abgelehnt worden war. Ich wollte einfach nicht noch mehr Zeit verschwenden. Die Kosten waren mir relativ egal. Habe ich halt weniger Geld was soll’s. Ich werde das schon irgendwie hinbekommen. Ich informierte mich und legte gegen die Ablehnung nochmal Widerspruch ein.

Und langsam ärgerte sich anscheinend die Frau vom Jugendamt und versuchte bei einem Hilfeplangespräch alles schön zu reden. Ich bräuchte ja keine weitere Unterstützung des Jugendamtes hieß es immer.

Einmal konnte ich sie noch überzeugen mir 6 Monate zu genehmigen. Meine damalige Betreuerin war oft hilfreich gerade wenn es um Anträge ging, die ich noch stellen dürfte von denen ich bis dato noch keine Ahnung hatte.

Dann kam März 2015, ich war 19, mein Vater seit zwei Tagen tot und ich zwang mich trotz Trauer zu einem Hilfeplangespräch. Erklärte meine aktuelle Lage und bat um Verständnis.

Was ich bekam war etwas total anderes. „ Wie ich sehe, kommen Sie ja zu recht trotz der Umstände. Ich schlage vor sie beantragen diese Woche noch Hartz4 und dann beenden wir die Jugendhilfe zum Ende des Monats.“, sagte sie direkt zu Beginn. Ohne ein Beileid, ohne einen Hauch von Verständnis dafür, dass ich gerade in einer Krise steckte.

Ich war krank und hatte plötzlich keinen Vater mehr. Aber Frau… verwechselte mich auch immer. Erzählte ständig etwas von meinem Kind, obwohl ich kein Kind hatte. Sie kannte meinen Fall nicht.

Sie sah nur, dass meine Schule lief, meine Wohnung gut aussah und das ich keine Straftaten begangen hatte. Alles andere sah sie nicht.

Das ich jetzt auch mal Unterstützung brauchte war ihr egal. Sie hätte das jetzt so entschieden und damit müsste ich klar kommen. Das wird schon klappen.

Das mein Vater noch nicht unter der Erde war. Dass noch keine Einladungen zur Beerdigung raus waren, dass ich die einzige war, die sich um die Beerdigung und alles drum herum kümmern musste, sah sie nicht. Oder wollte sie nicht sehen.

Ich passte nicht in ihre Finanzplanung. Von mir geht keine Gefahr aus. Das Kindchen schafft das schon.

Das eine Überprüfung des Antrages auf Hartz 4 bis zu 6Wochen Bearbeitungszeit hat wusste ich nicht. Aber meine Betreuerin. Sie setzte es auch als Grund für eine Verlängerung an.

Schlussendlich bekam ich noch 3 Monate lang eine Bewilligung. Zum durchatmen war keine Zeit.

Das ich in der Zeit noch schwanger wurde, einen Schwangerschaftsabbruch hatte und mich total hängen ließ, interessierte sie nicht, trotz regelmäßigen Berichten meiner Betreuerin.

Der Antrag war durch mit sehr viel Stress. Denn wenn man ein Elternteil hat, das bereits gestorben ist und ein Elternteil hat mit dem einfach seit mehreren Jahren nicht mehr in Kontakt ist. Dann ist das ein Problem. Denn keiner weiß bescheid wer für was zu ständig ist und wer jetzt zahlen muss. Ist es das Bafögamt, meine Mutter ( trotz Sozialhilfe und Betreuung) oder doch das Jobcenter oder reicht die noch nicht genehmigte Halbwaisenrente vielleicht doch auch aus? Warten wir doch erstmal darauf, meinte alle bevor nochmal neu entschieden wird.Schlussergebnis war erstmal von jedem eine Ablehnung und die Angst davor auf der Straße zu landen.

Einen Monat lang musste ich noch überbrücken. Schulden machen für Miete, Essen und Fernschulgebühren. Und dann kam mein Psychiatrieaufenthalt und der Absturz.

Da ist man mal ehrlich und sagt, dass man überfordert ist und Hilfe braucht und dann wird man im Stich gelassen.

Wäre ich Drogenabhängig gewesen, hätte Schulden gehabt oder hätte meine Wohnung einen schlechten Eindruck gemacht, dann hätte ich wohl Hilfe bekommen, aber meine Probleme früher, die reichten halt einfach nicht aus.

Ich hoffe, dass du solche Erfahrungen nie machen musstest mit dem Jugendamt.

Bei Fragen, kannst du mir eine E-Mail an hallo@fridegund.de schreiben.

Deine Fride

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